Zu den neuen Vorfällen beim AKW Brokdorf

23. März 2012  Im Landtag, Reden
Björn Thoroe bei Demonstrierenden vorm Landeshaus

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Präsidium,

ich gehöre zu dem Teil der Bevölkerung in Schleswig-Holstein, die sich deutlich und immer wieder gegen den Betrieb von Atomkraftwerken und damit auch für die Abschaltung des Atomkraftwerkes Brokdorf einsetzen.

Am 11. März 2012 jährte sich die die Katastrophe von Fukushima. In Schleswig-Holstein ist immer noch das AKW Brokdorf in Betrieb. Ich habe mich – im Gegensatz zu den meisten hier- an der Demonstration gegen das AKW Brokdorf beteiligt.

Meine Damen und Herren, DIE LINKE ist überzeugt davon, dass es richtig ist auf den Einsatz von Atomkraft zu verzichten. Unfälle sind überall möglich.Sichere Atomkraftwerke gibt es nicht.

Trotzdem ist die endgültige Abschaltung des AKW Brokdorf erst im Jahr 2021 vorgesehen. Das Atomkraftwerk ist von Beginn an in den Schlagzeilen gewesen.

Und wenn man sich die Serie von Pannen, Ungereimtheiten und meldepflichtigen Ereignissen vor Augen führt, die allein in dieser Legislaturperiode geschehen sind, dann bekommt die Bedeutung des Protestes beim Bau des AKW Brokdorf in den 70 Jahren eine neue Dimension – denn berechtigt war er immer!

Sieht man sich diese traurige Chronik an, liest man -nur für das letzte halbe Jahr- folgendes:

  • 7. November.2011: Meldepflichtiges Ereignis:Rückschlagklappe in einem Not- und Nachkühlsystem des AKW Brokdorf konnte nicht geschlossen werden
  • 20. Oktober. 2011: meldepflichtiges Ereignis: Schalterdefekt an einem Notstromdiesel löst Reaktorschutzsystem im AKW Brokdorf aus
  • 6. September 2011:meldepflichtiges Ereignis: Defekt an einer Pumpe des Not- und Nachkühlsystems im AKW Brokdorf
  • 7. August 2011: AKW Brokdorf geht unplanmäßig vom Netz, der Grund:Defekt an einem der beiden Maschinentrafos

Meine Damen und Herren, Atomkraft ist nicht beherrschbar und das zeigt nicht nur der kurze Abriss über die meldepflichtigen Ereignisse aus dem letzten halben Jahr. Das zeigt auch die Häufung von Krebserkrankungen in der Gemeinde Wewelsfleth, das zeigen Tschernobyl und Fukushima.

Dass das AKW Brokdorf dazu noch nur gegen vergleichsweise kleine Unglücke geschützt ist, kommt noch erschwerend hinzu. Meine Damen und Herren, Atomkraft ist nicht beherrschbar.

Deutlich vor Augen geführt haben uns das auch mal wieder die Vorkommnisse in Brunsbüttel. Am 7. März berichteten Medien über verrostete Atommüllfässer im Atomkraftwerk Brunsbüttel. In Schleswig-Holstein lagern im Moment 3386 Atommüllfässer. 600 davon in Brunsbüttel, 617 in Brokdorf, 110 in Krümmelund der Rest in Geesthacht in der Landessammelstelle.
Der Betreiber Vattenfall, übrigens auch Anteilseigner am AKW Brokdorf, hat es zum wiederholten Male versäumt, die Kieler Atomaufsicht über Vorkommnisse im und am Atomkraftwerk Brunsbüttel zu informieren.

Man kann auf der Website der Kieler Atomaufsicht lesen, dass bereits am 15. Dezember 2011 die teilweise Zerstörung eines Fasses von Vattenfall festgestellt wurde – die Atomaufsicht wurde nicht informiert.

Am 11. Januar diesen Jahres wurde die Atomaufsicht, nicht etwa durch Vattenfall, sondern durch den TÜV Nord informiert. Am 7. März informierte Her Schmalfuß dann die Öffentlichkeit über die verrosteten Fässer.

Meine Damen und Herren,

was muss noch passieren, damit die Atomaufsicht endlich erkennt, wie fahrlässig der Vattenfall, wie fahrlässig Betreiber von Atomkraftwerken hier in Schleswig-Holstein nicht nur Informationspolitik betreiben, sondern und das ist ebenso gefährlich, mit Radioaktivität, mit Atomkraft umgehen.

Und dies lässt mich auch leicht den Bogen spannen zum Antrag von CDU und FDP. Dass Sie die zügige Inbetriebnahme des Endlagers Schacht Konrad fordern, ist an Ignoranz der tatsächlichen Situation und an Unwissenheit wirklich nicht zu überbieten.

Schacht Konrad wurde in den 70 ern während der Atomeuphorie der Energiewirtschaft ausgewählt.

Würden Sie sich der Realität nicht verweigern und hätten eine neue Prüfung aller Möglichkeiten einer oberflächennahen, rückholbaren Atommüllagerung gefordert, hätte sogar ich für einen Antrag von Ihnen die Hand gehoben.

Aber so geht es nicht. Verabschieden Sie sich von der Idee, dass Atommüll in unterirdischen Lagern für immer versenkt werden kann und das Problem so gelöst ist.

Und genau das zeigt uns einmal mehr, mehr als deutlich:

Die Atomkraftwerke in unserem Land müssen schneller als von Schwarz-Gelb geplant stillgelegt werden, nur so fällt auch weniger Atommüll an!

Vielen Dank !

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